Verstrickungen

 

Ergebnis meines künstlerischen Aschermittwochs: Die Collage „Verstrickungen“ ist eine Neuinszenierung der „Maria Knotenlöserin“

Verstrickungen_1

„Verstrickungen“, 2016, Collage auf 4 Leinwände, zusammengenäht, bunte Wolle und Papier 60 x 60 cm mit Ausschnitt aus dem Bild „Maria Knotenlöserin“ (auf Leinwand kaschiert)

„Maria Knotenlöserin“ von Johann Georg Melchior Schmidtner (um 1700, Original: Öl auf Leinwand, 182 x 110 cm, St. Peter am Perlach/Augsburg)

 

Hommage an Beuys


Heute ist der 30. Todestag von Joseph Beuys (Geboren: 12. Mai 1921, Krefeld, Gestorben: 23. Januar 1986, Düsseldorf)

Meine Hommage an Beuys „Friedenshase“ von 2007


 

Friedenshase
Friedenshase

„Friedenshase – Hommage an Beuys“, 2007, 30 x 40 cm, Eitempera auf Holz und Leinwand, Kohle, Nägel, Schnur.

Weitere Arbeiten dieser Serie: hier »

24. Türchen: Verkündigung

„Verkündigung“ Vertonung von Michael Knopp. Die „Engel-Lieder“ sind im CD-Shop von Michael Knopp erhältlich.

Verkündigung: Die Worte des Engels

Du bist nicht näher an Gott als wir;
wir sind ihm alle weit.
Aber wunderbar sind dir
die Hände benedeit.
So reifen sie bei keiner Frau,
so schimmernd aus dem Saum:
ich bin der Tag, ich bin der Tau,
du aber bist der Baum.

Ich bin jetzt matt, mein Weg war weit,
vergieb mir, ich vergaß,
was Er, der groß in Goldgeschmeid
wie in der Sonne saß,
dir künden ließ, du Sinnende,
(verwirrt hat mich der Raum).
Sieh: ich bin das Beginnende,
du aber bist der Baum.

Ich spannte meine Schwingen aus
und wurde seltsam weit;
jetzt überfließt dein kleines Haus
von meinem großen Kleid.
Und dennoch bist du so allein
wie nie und schaust mich kaum;
das macht: ich bin ein Hauch im Hain,
du aber bist der Baum.
Die Engel alle bangen so,
lassen einander los:
noch nie war das Verlangen so,
so ungewiss und groß.
Vielleicht, dass Etwas bald geschieht,
das du im Traum begreifst.
Gegrüßt sei, meine Seele sieht:
du bist bereit und reifst.
Du bist ein großes, hohes Tor,
und aufgehn wirst du bald.
Du, meines Liedes liebstes Ohr,
jetzt fühle ich: mein Wort verlor
sich in dir wie im Wald.

So kam ich und vollendete
dir tausendeinen Traum.
Gott sah mich an; er blendete …

Du aber bist der Baum.

R. M. Rilke

 

Frohe Weihnachten!

Heiligabend
Heiligabend

Heiligabend

Was an diesem Tag ist eigentlich genau heilig? stöhnt Charlotte, als sie mit Mühe einem Stapel Geschenke für die Kinder ausweicht, der das ganze elterliche Schlafzimmer in Besitz zu nehmen droht. Im Geiste geht sie zum wiederholten Mal ihre To-Do-Liste durch: Aufräumen. Gänsebraten und Kartoffelknödel zubereiten. Tisch decken. Dafür sorgen, dass alle ein unvergessliches Weihnachtsfest erleben. Wie immer. Die Charlotte, die macht das schon – was ist sie nur für eine wunderbare Gastgeberin! Stets freundlich, gut gelaunt – ganz die perfekte Ehefrau und Mutter.

Den ganzen Vormittag ist sie schon allein in ihrem Häuschen am Stadtrand von Berlin, das Jan für sie beide ausgesucht hatte. Sie erinnert sich noch genau an seine Worte, fünf Jahre müsste das jetzt auf den Tag genau her sein: «Jetzt, wo du schwanger bist, brauchen wir etwas Größeres.»

Sie hat zugestimmt. Vielleicht hat sie in letzter Zeit etwas zu oft ja gesagt. Ja, geh nur vormittags mit den Kindern auf den Weihnachtsmarkt, ich schaffe das hier schon. Ja, laden wir doch Oma Anita und Opa Bernd an Weihnachten zu uns ein. Klar kann dein Bruder David auch kommen. David, der sich hier wie jedes Jahr einnistet, keine Geschenke für die Kinder dabei hat und das ganze Haus durch seine arrogante Art einzunehmen scheint. Sie fröstelt bei dem Gedanken an ihren Schwager…

Ihr Blick bleibt an der roten Küchenuhr hängen, die ihre besten Tage hinter sich hat. Im Grunde bin ich wie diese Küchenuhr, sagt Charlotte laut und erschrickt, als ihre Stimme im leeren Haus hallt. Sie streicht sich mit der Hand über die Stirn, ganz so als könnte sie die Gedanken einfach fortwischen.

Das laute Schrillen der Türglocke holt sie abrupt in die Realität zurück. Ausgeschlossen, dass es schon die Familie ist. Hierhin verirrt sich doch eigentlich keiner – schon gar nicht an Heiligabend, seufzt Charlotte und öffnet langsam die Tür. Völlig verfroren und scheu steht ein kleines Mädchen vor der Tür. In ihrer Hand hält sie eine schmutzige, zerrissene Puppe. Beim Öffnen der Türe reißt das Mädchen vor Schreck ihre Augen auf, ein Ruck geht durch ihren kleinen Körper. Charlotte bemerkt, dass die Kleine sich vor Angst nicht von der Stelle rührt. Der Blick des Kindes hat sie ins Mark getroffen, es ist ihr zumute als ob alle Uhren der Welt stehenblieben. Charlotte kommt es wie eine Ewigkeit vor ehe sie das kleine Geschöpf mit warmer Stimme fragen kann, wer sie sei und woher sie komme. Das Mädchen schaut sie mit ihren dunklen Augen an, aus denen langsam die Schockstarre weicht. Vorsichtig zieht sie ihre Schultern hoch. Es scheint, als ob das Mädchen Charlottes Worte nicht versteht. Vielleicht ist das Kind taub, denkt Charlotte, vielleicht hatte sie sich deshalb so sehr erschreckt, weil sie nicht bemerkte, dass sie an der Türe geklingelt hatte und auch nicht hören konnte, dass die Türe geöffnet wurde. Das kleine Mädchen reißt sie aus ihren Gedanken, es hat sich wohl von seinem Schrecken erholt und bewegt sich langsam auf Charlotte zu. Ein kleines kaltes Händchen berührt Charlottes Hand und ehe sie sich versieht, lässt Charlotte sich von dem Mädchen hinters Haus führen. Vergessen ist der ganze Weihnachtswirbel, die Arbeit, die Hetze und der Unmut, als sie gemeinsam mit dem Kind in der winterlichen Kälte stehend durch ein Fenster in das Wohnzimmer blickt. Wohlige festliche Wärme strahlt ihr entgegen. Es ist ihr, als sehe sie das alles zum ersten Mal an der Hand dieses fremden Mädchens.

Erst die Rufe aus der Ferne holen Charlotte in die Wirklichkeit zurück. Oh je, sie hat ganz und gar ihre Arbeit vergessen. Bestimmt ist der Braten jetzt angebrannt und die Frisur nicht in Ordnung. Aber ist das so wichtig? Sie hatte sich für einen Moment verzaubern lassen und spürte sich dem Leben so sehr viel mehr verbunden. Die Stimmen kommen näher und auch das Kind wird aufgeregt, sie löst ihre kleine Hand aus Charlottes, schaut ihr noch einmal tief in die Augen und bewegt sich in die Richtung aus der die Stimmen kommen. Charlotte ist es, als habe sie etwas wie Glückseligkeit im Blick des Kindes gespürt.

Nach diesem Erlebnis, kann sie doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und routiniert wie eine alte Küchenuhr ihrer Weihnachtsvorbereitung nachgehen. Nein, heute ist etwas Besonderes geschehen. Ehe sie weiter nachdenkt, rennt sie in Hausschuhen und Küchenschürze dem Mädchen hinterher. Ein paar Meter weiter findet sie das Kind in den Armen einer aufgeregten Mutter, die das Kind wieder und wieder an sich drückt und das Mädchen in einen Schwall von Worten einhüllt, die Charlotte völlig fremd sind. Dann kommt auch ein Mann hinzu, der wohl der Vater des Kindes ist. Auch er nimmt das Kind in den Arm, überglücklich, die Vermisste gefunden zu haben. Erst jetzt nehmen sie Charlotte wahr und das Mädchen lächelt heimlich. Der Mann kommt auf Charlotte zu, streckt seine Hand aus und beginnt in gebrochenem Deutsch sich für die Unannehmlichkeiten mit seiner Tochter zu entschuldigen. Er bedankt sich ebenso herzlich wie überschwänglich. Sie seien erst vor wenigen Tagen in der nahegelegenen Turnhalle untergebracht worden, versucht er Charlotte mit Händen und Füßen zu erklären. Er habe seiner Tochter erzählt, dass die Menschen in Deutschland heute ein besonderes Fest feiern. Seine Tochter wollte wohl sehen, wo das Fest stattfindet und sei davongelaufen. «Entschuldig Sie, entschuldig!» hört Charlotte die Stimme des Vaters.

Wollte Charlotte nicht dafür sorgen, dass alle ein unvergessliches Weihnachtsfest erleben? Wie immer.

Nein, nicht wie immer, diesmal soll es ein ganz besonderes Fest werden.

«Ja» sagt Charlotte und schaut die Flüchtlingsfamilie an «wir feiern heute unser Weihnachtsfest und da kommt immer die ganze Familie zusammen. Heute gehört ihr dazu!» Essen haben sie genug, ein Schlafzimmer voller Geschenke, eine warme Stube und David, ihr Schwager kann ja wieder heimgehen wenn es ihm nicht passt, denkt Charlotte.

Heiligabend“, 2015 Bild und Geschichte Marion Musch

Der Text entstand im Rahmen des Rowohlt Schreibwettbewerbs

 

Ich wünsche von Herzen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2016!

 

Während der Heiligen Nächte gibt es in meinem Blog jeden Tag ein paar Gedanken zu den Rauhnächten und die Vorstellung eines Bildes: >>> hier <<<

22. Türchen: Himmelsleiter

„Einweihung“ Vertonung von Michael Knopp. Die „Engel-Lieder“ sind im CD-Shop von Michael Knopp erhältlich.

Einweihung

Du schläfst nicht unter den Zypressen,
Schlaf gibt es nicht auf dieser Welt.
……………………………………………………
Dein Leib ward dir als Schatten zugemessen
des Kleides, das dein Sein verborgen hält

Es kommt die Nacht, das ist der Tod,
der Schattenleib verliert das Sein.
Als bloßer Umriss folgst du dem Gebot:
dir gleichend, gehst du in die Nacht hinein.

Es nehmen dir im Rasthaus „Zum Entsetzen“
die Engel deinen Mantel ab:
Nur fort im Schutz der letzten Fetzen,
ergreife neu den Wanderstab!

Die Erzengel der Straße und des Lichts
ziehen dich aus, entblößen dich im Nu.
Hast keine Kleider mehr, hast nichts.
Nur deinen Körper, der bist du.

Und endlich in der tiefen Höhle
trittst du noch nackter in der Götter Reich.
Dein Leib entschwindet, äuß’re Seele,
doch du gewahrst: sie sind dir gleich.
……………………………………………………
Der Schatten deiner Kleider blieb vergessen
hier unter uns in Zufallslanden.
Du liegst nicht tot unter Zypressen.
……………………………………………………
Neuling, der Tod ist nicht vorhanden.

Fernando Pessoa


21. Türchen: Ikone Blauer Engel VI

Immer noch hat der Engel recht

Immer noch hat der Engel recht, immer noch ist die Erde das Wunder. Der Engel mag uns weltfremd scheinen, ich glaube jedoch, dass jene weltfremder, blinder sind, welche die Welt nur als Verzweiflung sehen. Die Erde hängt nicht im Nichts, sie ist ein Teil der Schöpfung.
Das ist ein Unterschied.

Friedrich Dürrenmatt


20. Türchen: Der Wächter

„Gebet“ Vertonung von Michael Knopp. Die „Engel-Lieder“ sind im CD-Shop von Michael Knopp erhältlich.

Gebet

Ich suche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage seinen großen Flügel
Gebrochen schwer am Schulterblatt
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel.

Und wandle immer in die Nacht . . .
Ich habe Liebe in die Welt gebracht –
Dass blau zu blühen jedes Herz vermag,
Und hab ein Leben müde mich gewacht,
In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag.

O Gott, schließ um mich deinen Mantel fest;
Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest,
Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt
Du mich nicht wieder aus der Allmacht lässt
Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.

Else Lasker-Schüler


Heilige Nächte 2015/16

Jeden Tag vom 25.Dezember bis zum 6. Januar gibt es einen Beitrag mit ein paar Gedanken zu den 12 heiligen Nächten und die Vorstellung eines Bildes.


 

Die Bilder entstanden während der Heiligen Nächte 2013/2014. Die Asche entnahm ich aus unserem Kaminofen, der während dieser Zeit täglich befeuert wurde. Die erkaltete Asche vom 24.12. diente mir am 25.12. als Farbe für ein Bild der Serie usw.

Inspiriert zur Arbeit mit Asche und Wein hat mich ein französischer Weihnachtsbrauch. Am Heiligabend wird ein Stück Kaminholz mit Wein übergossen und traditionelle Segenswünsche dazu gesprochen. Dann wird das Holz im Ofen verbrannt. Anderntags wird die Asche über die Felder gestreut und bei den Tieren ins Futter gemischt. Es ist damit verbunden der Wunsch nach einer guten Ernte im neuen Jahr.

Die 12 Tierkreiszeichen, die ich zwischen den Jahren gemalt habe stehen natürlich u.A. auch für die 12 Monate des Jahres.